Bariatric Nurse

Sonja Winkler- Bahr

Bariatric Nurse

„Adipositas ist keine Willensfrage. Es wird Zeit, dass das alle verstehen."

Eine bariatrische Operation ist kein schneller Ausweg. Sie ist ein Neuanfang, der Vorbereitung, Mut und Begleitung braucht. Sonja Winkler-Bahr arbeitet als Bariatric Nurse auf der bauch- und viszeralchirurgischen Station im Krankenhaus Winsen, das seit 2017 zertifiziertes Kompetenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie ist. Neben ihrer regulären Arbeit auf Station betreut sie die bariatrisch operierten Patient:innen gezielt und mit besonderem Fokus. Ihr Herz brennt für die Betroffenen. Auch, weil sie selbst diesen Weg gegangen ist.

 


Was sind deine wichtigsten Aufgaben?

Ich arbeite einerseits auf Station und begleite andererseits gezielt die bariatrisch operierten Patient:innen . Ich beantworte ihre Fragen, erkläre den Kostaufbau, gebe Tipps aus eigener Erfahrung und sorge dafür, dass niemand nach Hause geht ohne zu wissen, was sie erwartet. Ich nehme mir die Zeit, die es individuell braucht.

Was hat dein Interesse an diesem Bereich geweckt?

Die Chirurgie hat mich immer fasziniert. Und Adipositas liegt mir am Herzen, weil ich selbst eine bariatrische Operation hatte. Als ich operiert wurde, gab es das alles noch nicht. Keine Begleitung, keine Erklärung. Ich bin nach Hause gegangen und musste vieles alleine herausfinden. Das möchte ich für meine Patient:innen anders machen. Wenn ich heute am Bett sitze und aus eigener Erfahrung spreche, von Mensch zu Mensch, dann merke ich, dass das einen Unterschied macht.

Was macht die Arbeit mit bariatrischen Patient:innen besonders?

Sie haben meistens einen langen Leidensweg hinter sich. Stigmatisierung begleitet viele von ihnen seit Jahren. Die Vorstellung, dass Adipositas eine Frage der Disziplin ist, hält sich hartnäckig. Genau deshalb ist es mir so wichtig, dass sie bei uns Respekt und echte Unterstützung erfahren.

Was verändert sich für Patient:innen durch deine Begleitung?

Sie gehen nicht mehr ratlos nach Hause. Sie haben eine Vorstellung davon, was sie erwartet, wie sie essen, was sie vermeiden sollten und wo sie Antworten finden. Und sie wissen, dass sie nicht alleine sind. Wenn jemand dann sagt, ich fühle mich gut und ich weiß, was ich tue, dann weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Was ist besonders herausfordernd?

Wenn das Gewicht fällt, fällt auch der Schutzpanzer. Und dann kommen alte Geschichten. Aus der Kindheit, aus Jahren des Mobbings, aus allem, was man mit Essen verdrängt hat. Das ist der Moment, in dem sie besonders verletzbar sind. Da brauchen sie jemanden, der das sieht. Und der versteht, was hinter dieser Erkrankung wirklich steckt.

Was würdest du Kolleg:innen mitgeben, die über eine Spezialisierung nachdenken?

Wenn Euer Herz dafür brennt: macht es! Eine Spezialisierung verändert den Blick, vertieft das Wissen und gibt Sicherheit. Aber es braucht auch Durchhaltevermögen, weil vieles zusätzlich zum Stationsalltag läuft. Wenn das Thema einen wirklich packt, lohnt es sich.

 

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