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"Die menschlichste und sicherste Form der Geburtshilfe"

Kennt alle denkbaren Facetten von Geburt: Hebamme Lisa ter Horst vom Hebammenkreißsaal im Krankenhaus Winsen

Wenn Lisa ter Horst über Geburt spricht, wählt sie ihre Worte sorgfältig. Nicht aus Vorsicht, sondern aus Überzeugung. „Gebären“ ist für sie ein aktives Verb. Eines, das Frauen Handlungsspielraum zuschreibt. Seit fast 20 Jahren arbeitet Lisa ter Horst als Hebamme – in nahezu allen Varianten dieses Berufs. Sie hat Hausgeburten begleitet, in einer Hausgeburtspraxis gearbeitet, Frauen vor und nach der Geburt betreut, war freiberuflich und angestellt, arbeitete im Geburtshaus ebenso wie in Kliniken der Maximalversorgung. Sie ist Mutter von drei Kindern. Und kennt Geburt in allen Facetten.
Heute arbeitet Lisa ter Horst im Krankenhaus Winsen. Seit November gehört sie dort zum Hebammenteam – in einem Haus, das sie schon lange kennt. Zehn Jahre lang hatte sie bereits mit dem Winsener Krankenhaus eng kooperiert, als sie außerklinisch tätig war. Sie kennt die Kolleginnen, die Strukturen, den „Geist des Hauses“, wie sie es nennt. Eine Verbindung, die gewachsen ist, und die nun in einer Festanstellung mündet.


Den Schritt zurück in die Klinik hat ter Horst bewusst gewählt. Nach Jahren der Freiberuflichkeit suchte sie Stabilität, aber ohne Abstriche an ihrer beruflichen Überzeugung. Ein Zwischenstopp in einer großen Klinik zeigte ihr, wie unterschiedlich Konzepte ausgelegt werden können. „Interventionsarm“ sei dort etwas anderes gewesen als das, wofür sie stehe, sagt ter Horst. Für sie bedeutet es eine ehrliche Praxis: Intervention so wenig wie möglich, und nur so viel wie unbedingt nötig. Vor allem ist ihr ein respektvoller Umgang mit der Gebärenden wichtig, und mit dem Gebären selbst.
In Winsen findet sie dafür den richtigen Rahmen. Besonders im Hebammenkreißsaal, kurz HKS, der für sie weit mehr ist als ein alternatives Angebot. “Im Grunde ist es die konsequenteste Form moderner, evidenzbasierter Geburtshilfe”, sagt sie. “Hier wird das umgesetzt, was Studien seit Jahren zeigen: Kontinuierliche 1:1-Betreuung ist der sicherste Weg durch eine Geburt. Technik kann Erfahrung nicht ersetzen”, sagt ter Horst. Geburt bedeute: Menschen begleiten Menschen. Das ändere sich nicht.


Das Konzept des Hebammenkreißsaals richtet sich an Frauen mit einer unkomplizierten Schwangerschaft ohne medizinische Risikofaktoren. Die Teilnahme erfolgt nach klaren Kriterien und in enger Abstimmung mit den Hebammen. Sollte unter der Geburt zusätzliche medizinische Unterstützung notwendig werden, ist ein Wechsel in den interdisziplinären Kreißsaal jederzeit möglich. “Im Grunde ist es eine Hausgeburt im Klinikrahmen - intim und geschützt, aber im Fall der Fälle ärztlich abgesichert”, erklärt ter Horst.


Der Hebammenkreißsaal in Winsen ist für sie die Verkörperung dieser Haltung. Eine Hebamme kümmert sich durchgehend um eine Frau. Eine zweite Hebamme kommt spätestens zur Geburt hinzu. Der hohe Personalschlüssel ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass dieses Modell funktioniert. „Das ist die menschlichste Form der Geburtshilfe“, sagt ter Horst, und meint damit etwas Grundsätzliches.
Seit Dezember arbeitet sie an der Winsener Geburtsklinik eigenständig, nach einer intensiven Einarbeitung. Sie hat bislang fünf Frauen während der Geburt begleitet, dazu kommen die ambulanten Betreuungen. Eine Geburt im Hebammenkreißsaal hat sie hier noch nicht begleitet, doch sie freut sich schon sehr auf ihre Premiere in Winsen. Die Nachfrage nach dem Hebammenkreißsaal wächst spürbar. Während noch Anfang 2025 deutlich mehr Frauen den klassischen Kreißsaal wählten, verschiebt sich das Verhältnis inzwischen, nicht nur durch zunehmende Bekanntheit des Angebots. Das Konzept des Hebammenkreißsaals wird für kleinere Kliniken zunehmend zum Zugpferd, sagt ter Horst.


Die Anmeldungen in der Geburtsklinik Winsen zeigen: Inzwischen übersteigt bei Schwangeren im Landkreis Harburg das Interesse am Hebammenkreißsaal jenes an einer interdisziplinären Geburt. Das Hebammenteam erhebt seit dem Start des Angebots im Oktober 2024 sorgfältig die Daten. Diese zeigen sich stabil und entsprechen dem statistischen Durchschnitt: Von den bisher an einer HKS-Geburt interessierten Frauen konnten rund ein Drittel ihre Geburt im Hebammenkreißsaal starten, 47 Prozent von ihnen konnten dort auch entbinden, und 53 Prozent wurden im Geburtsverlauf in den interdisziplinären Kreißsaal in ärztliche Verantwortung übergeleitet. 


Für Lisa ter Horst sind diese Zahlen Ausdruck eines sicheren Systems. Ein Hebammenkreißsaal funktioniert nicht trotz, sondern wegen klarer Kriterien und transparenter Übergänge. Was sie antreibt, ist ein gesellschaftlicher Wandel, den sie deutlich spürt. Frauen seien heute informierter, selbstbestimmter, kritischer. Sie wüssten um den Hebammenmangel, sie suchten gezielt nach guter Begleitung. Und sie verlangten zu Recht eine Geburtshilfe, die sich an wissenschaftlicher Evidenz orientiert – und zugleich menschlich bleibt. Selbst politische Zielsetzungen, wie die flächendeckende 1:1-Betreuung, würden letztlich genau darauf hinauslaufen. Der Hebammenkreißsaal sei dafür kein Experiment, sondern ein Vorbild.


Lisa ter Horst argumentiert ruhig, präzise, kennt die Studienlage, spricht über Strukturen. Und doch ist ihre Haltung klar: Geburt ist kein medizinischer Ausnahmezustand, sondern ein physiologischer Prozess, der Schutz, Zeit und Beziehung braucht. In Winsen arbeitet man, sagt sie, dafür, dass Frauen gebären dürfen und nicht entbunden werden. Lisa ter Horst verkörpert diese Haltung authentisch – leise, erfahren, konsequent. Und vielleicht liegt genau darin die größte Stärke der Winsener Geburtsklinik, Hebammen wie Lisa ter Horst zu gewinnen.

 

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