Fußorthopädie

Sie kommen zu uns, weil Sie Schmerzen und Funktionsstörungen in Ihren Füßen haben. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Füße sind anatomische Wunderwerke. Mit 28 Knochen, 107 Sehnen und Bändern und einem komplexen Nervengeflecht ausgestattet, leisten sie Erstaunliches: Mehr als 100.000 Kilometer legt ein Fuß im Laufe seines Lebens zurück, mehr als 1.000 Tonnen trägt die Achillessehne, die Verbindung zwischen Wade und Fuß, täglich.Füße sind für Belastung geschaffen. Doch ungeeignetes Schuhwerk kann sie aus der Spur bringen. Sie entwickeln Druckstellen, verformen sich und tun dann weh. Symptome wie Krallen-, Hammer- oder Ballenzeh (Hallux valgus) sind schon bei jungen Menschen häufig. Ebenso gehören Entzündungen und Knochenvorsprünge in der Ferse und Schmerzen in der Achillessehne zu den Warnsignalen, mit denen sich vernachlässigte Füße bemerkbar machen.
Die Orthopädie im Krankenhaus Winsen ist auf die Diagnostik und Therapie von Fußbeschwerden spezialisiert. Der konservativen Behandlung geben wir den Vorzug, in manchen Fällen ist jedoch eine Operation unumgänglich. Im Folgenden ein Überblick über die häufigsten Fußprobleme und deren Behandlung in unserem Haus.

Die häufigsten Fußproblematiken:

Hallux valgus

(Schief- oder Ballengroßzehe)

Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung der Zehen. Er ist auch die häufigste Erkrankung des Vorfußes. Die Großzehe ist dabei nach außen, in Richtung der Kleinzehen, abgewinkelt.
Die Gründe für die Entstehung einer Hallux valgus Fehlstellung sind vielschichtig. Neben einer sicherlich nicht zu unterschätzenden familiären Disposition (Erblichkeit) sind noch diverse weitere Ursachen zu benennen. Bei der Erkrankung, von der in über 3/4 der Fälle Frauen betroffen sind, spielen auch teilweise hormonell bedingte Bindegewebsveränderungen sowie vor allem das übermäßige Tragen von Schuhwerk mit sehr hohen Absätzen eine Rolle. Neben dem offensichtlichen kosmetischen Problem können vor allem auch ausgeprägte Schmerzen im Großzehengrundgelenk selbst entstehen, was zu einer Veränderung des Gangbildes führen kann. Bei eher noch moderat ausgeprägten Fehlstellungen und verhältnismäßig geringem Leidensdruck sind nicht zwangsläufig operative Maßnahmen indiziert, die Verordnung maßgefertigte Individualeinlagen oder aber eine gezielte sogenannte Fußwurzelgymnastik können bereits extrem hilfreich sein. Sind die Fehlstellungen hingegen schon so ausgeprägt, dass es zu einem entzündlichen Reizzustand im Großzehengrundgelenk gekommen ist oder dass normales Konfektionsschuhwerk nicht mehr problemlos getragen werden kann sind operative Maßnahmen angezeigt. Welche OP Methode der weltweit beschriebenen ca. 150 verschiedenen Verfahren die richtige ist, hängt neben der Fehlstellung und der Fußform von verschiedenen weiteren Faktoren ab. Neben dem Alter und der Konstitution der Patienten gilt es auch den individuellen Leistungsanspruch mit zu berücksichtigen.


Chevron- Osteotomie (OP nach Austin):

Dieses verhältnismäßig überschaubare Verfahren eignet sich sehr gut für die Behandlung leichterer und mittlerer Hallux valgus Fehlstellungen. Hierbei wird das Mittelfußköpfchen leicht verschoben, die Großzehe selbst über einen Weichteil Eingriff in die gerade  Neutralposition aufgerichtet und der durchtrennte Knochen mit einer kleinen Titanschraube welche nicht unbedingt wieder entfernt werden muss stabilisiert. Nach einem solchen Eingriff kann der Patient oder die Patientin mithilfe eines Spezial Schuhs, der für 6 Wochen getragen werden muss unter Vollbelastung wieder remobilisiert werden. Dieser Eingriff ist in vielen Fällen auch ambulant durchführbar.

Basisnahe Umstellungen:

Ist die Fehlstellung insbesondere des 1. Mittelfußknochens stärker ausgeprägt, reicht es nicht mehr aus lediglich das Mittelfußköpfchen etwas zu verschieben, hier muss die Korrektur deutlich weiter an der Basis des 1. Mittelfußknochens erfolgen. Hier in Winsen favorisieren wir die sogenannte Kreisbogenosteotomie, womit wir selbst grobe Fehlstellungen problemlos korrigieren können. Bei diesem Verfahren muss der durchtrennte Knochen allerdings mit einer kleinen Titanplatte stabilisiert werden, nach einem solchen Eingriff gilt es den operierten Fuß für mindestens 6 Wochen zu entlasten.

Lapidus- Arthrodese:

Dieses bereits deutlich aufwändigere Verfahren kommt zum Tragen, wenn neben einer meist ausgeprägten Hallux valgus Fehlstellung bereits eine gewisse Instabilität des inneren Fußrandes vorliegt. Die Instabilität sowie die Fehlstellung des 1. Mittelfußknochens werden beseitigt, in dem mit einer kräftigen Titanplatte oder aber 2 kräftigen Titanschrauben die Basis des 1. Mittelfußknochens in korrigierter Achsausrichtung mit der Gelenkfläche des kleinen Würfelbeines verblockt wird. Auch nach diesem Eingriff ist eine mindestens 6-wöchige Entlastungsphase zu fordern.

 

Hallux rigidus

(Steif- Großzehe)

Beim Hallux rigidus ist es zu einer Arthroseentwicklung (Verschleiß der Gelenkflächen) im Großzehengrundgelenk selbst gekommen. Dies kann Folge einer Gichterkrankung, Ausdruck einer Rheumaentwicklung oder aber die Folge einer chronischen Gelenkfehlstellung sein. Neben nicht nur unter Belastung, sondern teilweise auch in Ruhe auftretenden Schmerzen kommt es bei den betroffenen Patienten lokal auch zu Rötungen, Schwellungen oder Überwärmungen infolge eines Entzündungsprozesses. Beklagt werden neben einer Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk vor allem eine gewisse Steifigkeit beim Abrollen sowie bei ausgeprägteren Befunden auch Platzprobleme beim Tragen engeren Schuhwerks. Abhilfe können hier bei leichteren Fällen eine Einlagenversorgung mit einer sogenannten Rigidusfeder oder aber Schuhe mit einer fest eingebauten Abrollhilfe verschaffen. Sollten diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen, stehen auch hier wieder verschiedenste OP Verfahren zur Auswahl. Die Entscheidung welche OP Methode die richtige ist hängt neben dem Ausmaß des Gelenkschadens von den tatsächlichen Beschwerden sowie auch dem Leistungsanspruch des Patienten oder der Patientin ab.

OP nach Kessel- Bonney:

Bei diesem eher wenig invasiven Verfahren wird neben der Abtragung eventuell störender Knochenvorsprünge (Cheilektomie) ein sehr schmalbasiger Keil aus dem Großzehengrundglied entnommen, das Großzehengrundglied selbst leicht nach oben transferiert und die Knochenentnahmestelle mit einer kleinen Titankrampe stabilisiert. Diese Maßnahme soll für eine bessere Abrollfunktion der Großzehe sorgen. Die Patienten können nach einem solchen Eingriff mithilfe eines Spezial Schuhs rasch wieder mobilisiert und nach Hause entlassen werden.

Arthrodese (Gelenkversteifung):

Dieses sicherlich deutlich einschneidendere Verfahren wird vielerorts als sogenannter „Goldstandard“ bezeichnet. Die Meinungen diesbezüglich gehen etwas auseinander. Bei ausgeprägten, schweren Arthrosen des Großzehengrundgelenkes führt ein solcher Eingriff insbesondere bei Männern langfristig zu einer biomechanisch sehr guten Kraftübertragung und eignet sich auch für Menschen mit einem hohen (sportlichen) Leistungsanspruch. Frauen müssen vor einem solchen Eingriff darüber informiert werden, dass schlankes, modisches Damenschuhwerk mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf Dauer passe´ sein dürfte.

Resezierende Verfahren (OP nach Brandes):

Noch in den 90er Jahren, also vor dem Beginn der Ära der modernen Fußchirurgie in Deutschland wurde diese OP Methode fast ausschließlich angewandt. Hierbei wird ein Teil der Gelenkfläche des Großzehengrundgelenkes operativ entfernt. Heutzutage wird dieses Verfahren nur noch in Ausnahmefällen angewandt, in der richtigen OP-Technik und in der Hand des Geübten können aber auch hiermit gute Resultate erzielt werden. Insgesamt aber eher eine Methode für ältere Patienten mit eventuell vorhandenen schwereren Begleiterkrankungen, deren sportlicher Leistungsanspruch auch eher gering ist.

Einsatz eines Kunstgelenkes:

Die meisten (2-teiligen) Kunstgelenke am Großzehengrundgelenk haben eher schlechte Ergebnisse. Eine Ausnahme ist die lediglich das Mittelfußköpfchen überkronende „HemiCAP“ Prothese. Hier kommt es in der Regel zu Schmerzfreiheit bei einer erhaltenen Restbeweglichkeit im Großzehengrundgelenk. Ein Verfahren welches wir hier in Winsen gern bei Frauen anwenden welche trotz einer Hallux rigidus Erkrankung langfristig doch noch einmal schlankeres Damen Schuhwerk, gegebenenfalls auch mit einem kleinen Absatz tragen möchten.

 

Die schmerzende Ferse

Bei Schmerzen im Bereich der Fersenregion gilt es genau zu differenzieren, hier ist neben einer subtilen klinischen Untersuchung bereits in der Sprechstunde ggf. auch eine entsprechende Bildgebung (Röntgen, CT, MRT) erforderlich.
Sind die Schmerzen eher unter der Ferse? Oder eher hinten? Oder schmerzt die Achillessehne etwa selbst?

Der „untere“ Fersensporn:

Patienten die über Probleme wegen eines sogenannten unteren Fersensporns klagen berichten häufig neben den typischen Schmerzen bei Belastung auch über einen sogenannten morgendlichen Anlaufschmerz. Dieses Phänomen ist letztlich Folge einer zu starken Belastung der Plantarfaszie (die große Sehnenplatte unter der Fußsohle), was auf viele verschiedene Faktoren zurückgeführt werden kann. Die häufig auf Röntgenaufnahmen erkennbare Kalkeinlagerung an der Ferse am Plantarsehnenansatz ist Folge, aber nicht die Ursache des schmerzhaften Reizzustandes! Die leider meistens eher langwierige Therapie sollte in der überwiegenden Zahl der Fälle möglichst konservativ, also nicht operativ erfolgen. Neben einer gezielten Einlagenversorgung sind insbesondere in der Akutphase Schonung, Kühlung sowie eine Belastungsreduktion erforderlich. Erst bei hartnäckiger Beschwerdepersistenz sollte zu lokalen Injektionen oder einer analgetischen Röntgenbestrahlung gegriffen werden. Eine gute, leider aber von den gesetzlichen Kassen nicht finanzierte Behandlungsmaßnahme ist die sogenannte Stoßwellentherapie, welche in vielen Orthopädenpraxen angeboten wird. Operative Maßnahmen sollten aufgrund eher unsicherer Behandlungsergebnisse nur in absoluten Ausnahmefällen diskutiert werden.

Der „obere“ Sporn (Haglund- Ferse):

Hier handelt es sich um eine Erkrankung des Ansatzes der Achillessehne selbst. Meist Folge eines chronischen Reizzustandes bei Überlastungsphänomenen. Eine konservative Behandlung (z.B. weiches Schuhwerk) ist nur in Ausnahmefällen erfolgversprechend. Hier raten wir eher zu einem operativen Vorgehen. Um die Verknöcherungen am Ansatz der Achillessehne adäquat entfernen zu können ist es häufig notwendig die Achillessehne selbst partiell abzulösen und anschließend, nach Entfernung der störenden Knochenvorsprünge, mit resorbierbaren Ankern, welche im Fersenbein selbst versenkt werden wieder zu refixieren. Nach einem solchen Eingriff muss allerdings mit einer Nachbehandlungsphase von 8-12 Wochen gerechnet werden.

Die Achillessehne selbst (Achillodynie):

Hier handelt es sich um einen schmerzhaften Reizzustand der Achillessehne, welcher gerade bei Sportlern insbesondere nach Trainingsbeginn nach einer längeren Pause auftreten kann. Diese schmerzhafte Verdickung der Achillessehne selbst kann gelegentlich chronifizieren, kernspintomografisch können dann in der Mitte des Sehnengewebes selbst zentrale Nekrosen (Gewebszerstörungen) dargestellt werden. Hier muss unter Umständen eine operative Ausräumung erfolgen, sofern die konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht geholfen haben. Auch hier ist mit einer mehrwöchigen Nachbehandlungsphase zu rechnen.

Sämtliche der oben näher beschriebenen Behandlungsmaßnahmen sind nur als exemplarischer Auszug des breiten Spektrums der Fußchirurgie hier in der Orthopädie Winsen anzusehen. In zweimal wöchentlich stattfindenden speziellen Fußsprechstunden gehen wir individuell auf die einzelnen Patientenbelange ein und besprechen gemeinsam auch unter Berücksichtigung der persönlichen Situation welche Maßnahmen anzuraten sind. Jeweils freitags auch unter Hinzuziehung eines der ständig hier im Hause vertretenen Orthopädietechniker, sodass interdisziplinär zwischen Fußorthopäden und Orthopädie- Technikermeister eine gezielte Beratung stattfinden kann. Gegebenenfalls haben wir dann hier auch die Möglichkeit, mit modernsten Methoden entweder einen elektronischen Fußscan oder aber sogar eine dynamische Ganganalyse anzufertigen, auch mit diesen Methoden können dann individual gefertigte Maßeinlagen für die Patienten produziert werden.

 

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