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Wie eine Operation Arthrose verhindern hilft

Die Orthopädie und Unfallchirurgie im Krankenhaus Winsen hat einen renommierten Experten hinzugewonnen: Professor Dr. Jürgen Bruns ergänzt das Angebotsspektrum der Abteilung unter Leitung von Dr. Amir Iptchiler. Ein besonderes Arbeitsfeld von Professor Bruns ist die Knochen-Knorpelzylinder-Transplantation (Osteochondrale Autologe Knorpel-Knochen-Transplantation, OATS). Dieses Verfahren ist insbesondere für Patienten mit begrenzten Knorpeldefekten geeignet. Professor Bruns arbeitet als Consultant für das Krankenhaus Winsen, er gibt sein Wissen an jüngere Kollegen weiter.

Der Gelenkknorpel ist ein einzigartiges Gewebe, das die Knochenenden überzieht und sie reibungsarm aufeinander gleiten lässt. Er besteht zu einem geringen Maß aus Knorpelzellen, bis zu 80 Prozent aus Wasser und aus einer Kollagenmatrix. Der Knorpel hat keine Nerven und keine Blutversorgung. Ernährt wird er durch die Gelenkflüssigkeit. Bei Belastung wird der Knorpel zusammengedrückt und das enthaltene Wasser ausgeschleust. Bei Entlastung fließt nährstoffreiches Wasser in das Knorpelgewebe zurück. Knorpel kann sich nur sehr begrenzt regenerieren und nicht ersetzt werden.

Knorpeldefekte können durch Verletzungen (z.B. Sportunfälle) entstehen, durch akute Überlastung und durch chronische, meist über Jahre andauernde Fehlbelastung. Knochenbrüche, insbesondere solche, die in Fehlstellungen verheilt sind, Bänderrisse wie der Kreuzbandriss, der die Stabilität des Knies beeinträchtigt, sowie O-Beine oder X-Beine können Knorpelschäden fördern. Zu hohes Körpergewicht gilt ebenfalls als Risikofaktor. Unbehandelt kann ein Knorpelschaden in einen frühzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) münden. Dabei scheinen auch genetische und hormonelle Faktoren eine Rolle zu spielen. Frauen leiden wesentlich häufiger an einer Kniearthrose als Männer.

Insbesondere bei jüngeren Patienten ist ein Knorpelschaden häufig die Folge einer Knochenerkrankung, der Osteochondrosis dissecans. Dabei lösen sich Knochen-Knorpelzylinder ab („Gelenkmaus“) und schwimmen frei in der Gelenkflüssigkeit, was sich anfühlt, als ob etwas eingeklemmt sei. Nach Beobachtung von Professor Bruns tritt diese Erkrankung besonders in stark belasteten Gelenkanteilen wie den Knorren (Kondylen) im Knie und den Außenkanten des Sprungbeins auf und steht im Zusammenhang mit „repetitiven Mikrotraumen“: mehrfaches Umknicken mit dem Fuß, wiederholtes Verdrehen des Knies, Überlastung, insbesondere durch Stop-and-go Bewegungen bei Ballsportarten.

Zu verhindern, dass sich aus kleineren, begrenzten („umschriebenen“) Knorpelschäden eine Arthrose entwickelt, ist Professor Bruns ein Anliegen. Bei einem operativen Eingriff entnimmt er mit Spezialwerkzeug einen Knochen-Knorpelzylinder aus einem wenig belasteten Bereich und setzt ihn auf Hundertstel Millimeter genau in die vorbereitete schadhafte Gelenkstelle. Oft sind mehrere Transplantate nötig, um den Defekt vollständig abzudecken. Entscheidender Vorteil dieses OATS genannten Verfahrens: Die Belastungszone wird mit echtem Gelenkknorpel in seiner natürlichen Matrix versorgt, während andere Verfahren lediglich ein Ersatzknorpelgewebe, den Faserknorpel, erzeugen, der nur begrenzt belastbar ist.

„Die Knochen-Knorpelzelltransplantation ist kein Heilmittel für Arthrose, sondern ausschließlich zur Behandlung von kleineren Knorpeldefekten geeignet“, betont Professor Bruns. Voraussetzung für die Operation sind bildgebende Untersuchungen: Röntgenbilder können Gelenkschäden durch Osteochondrosis dissecans und Arthrose zeigen. Um Ausmaß und Tiefe des Gewebsschadens korrekt zu bestimmen, ist jedoch eine Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig (Tipp für Patienten: CD mitgeben lassen). Um den Befund abzusichern, führt Professor Bruns in den meisten Fällen vor dem Eingriff zusätzlich eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durch.

Für die Behandlung im Krankenhaus Winsen ist eine Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt nötig. Nach dem Knochen-Knorpelersatz dürfen die Patienten die Belastung des operierten Beins nur langsam steigern. Ob Sport wieder möglich ist und in welchem Umfang, bespricht Professor Bruns individuell mit den Patienten. Ganz wesentlich ist aus Sicht des Experten das Gewichtsmanagement. Wer leicht ist, hat bei beginnenden Knorpelschäden weniger Beschwerden als schwere Patienten, betont Professor Bruns.

 

Zur Person

Jürgen Bruns (69) ist in Winsen geboren und aufgewachsen. Bis vor Kurzem war er im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand tätig, davor im Diakonieklinikum Eimsbüttel und am UKE. Jürgen Bruns ist habilitierter außerplanmäßiger Professor. Zu seinen medizinischen Schwerpunkten gehören außer Knochen-Knorpelzylinder-Transplantationen auch Tumoroperationen.

 

 

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