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Wege aus dem Schmerz

Sportwissenschaftlerin Elisabeth Weißbach-Ruf leitet Patienten bei Dehnübungen an

Wenn Schmerzen den Alltag bestimmen, Tabletten kaum noch helfen und eine Besserung nicht in Sicht ist, ziehen viele sich zurück. Sie verlieren das Vertrauen in ihre körperlichen Fähigkeiten, bewegen sich kaum noch aus Angst, es könnte weh tun, und lassen Sozialkontakte schleifen. Die Stimmung sinkt. Das Ergebnis: Noch mehr Schmerz. Ein Teufelskreis. Ihn zu durchbrechen ist das Ziel der Interdisziplinären Multimodalen Schmerztherapie, IMST, im Krankenhaus Winsen.

Gerade stehen die ersten Teilnehmer des stationären Gruppenangebots in diesem Jahr vor dem Abschluss ihrer dreiwöchigen Behandlung. Anmeldungen für 2022 werden noch angenommen, wie Dr. Gabriele Heuschert, Fachärztin für Anästhesie und spezielle Schmerztherapie im Krankenhaus Winsen, und Sportwissenschaftlerin Elisabeth Weißbach-Ruf von der Waldklinik Jesteburg sagen.

Die IMST im Krankenhaus Winsen, eine von wenigen in Nordniedersachsen, richtet sich an alle, die länger als sechs Monate unter starken Schmerzen leiden, die sich durch die bisherigen Behandlungen nicht gebessert haben. Oft genug verselbstständigt sich das Leiden. Es tut weh, ohne dass dafür eine Ursache gefunden wird.

Die meisten Teilnehmer kommen mit Beschwerden am Muskel- und Bewegungsapparat, meist Rückenschmerzen, in die IMST. Oft sind verkürzte Muskeln und verklebte Faszien ein Problem. Manche haben Fibromyalgie oder eine Neuropathie diagnostiziert bekommen, also Schmerzen, die durch gestörte Nervenfunktion verursacht werden.

Zu den Zielen der Therapie gehört, die Wahrnehmung der Patienten zu schulen dafür, was ihnen gut tut, welche Belastung zu viel und welche gerade richtig ist. Auf diese Weise bekommen die Schmerzgeplagten ihre Souveränität zurück und erkennen, dass sie selbst Einfluss darauf nehmen können, wie es ihnen geht. Das Röntgenbild mit dem „kaputten Rücken“, den arthrotischen Gelenken ist für sie nur noch ein Bild, kein Gradmesser mehr für das, was sie sich zutrauen dürfen.

Die Schwerpunkte des Krankenhausaufenthalts, für den die Teilnehmer eine Einweisung vom Hausarzt, dem Orthopäden oder Schmerztherapeuten benötigen, werden ganz individuell gesetzt. Psychosomatische Behandlung gehört dazu, außerdem Schmerzphysiotherapie, Bewegungstherapie, Achtsamkeitstraining, Ernährungsberatung, Gruppengespräche. Die feste Gruppe ist enorm wichtig, wie Heuschert und Weißbach-Ruf berichten. Die Mitglieder stützen und ermutigen sich gegenseitig. Die meisten bleiben auch später miteinander im Kontakt, gehen zum Beispiel zusammen in das Bewegungsbad des Krankenhauses. Schlüssel für die Wirksamkeit der Therapie ist, dass die Patienten das Erlernte im Alltag umsetzen, sich weiterhin bewegen und regelmäßig Entspannungsübungen machen.

Schmerzfreiheit versprechen Heuschert und Weißbach-Ruf nicht. Aber sie wissen, dass 95 Prozent ihrer ehemaligen Patienten inzwischen wieder mitten im Leben stehen, arbeiten, Freunde treffen, ihre Enkelkinder betreuen. 85 bis 90 Prozent, die zuvor stärkste Schmerztabletten zu sich nahmen, haben diese abgesetzt und vertrauen auf ihre eigene Körperwahrnehmung und Leistungsfähigkeit. „Früher haben sie einen Bogen um jede Pfütze gemacht. Heute springen sie drüber“, bringt Elisabeth Weißbach-Ruf dieses neue Lebensgefühl auf den Punkt.

 

 

 

 

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