Aktuelles

Nicht das Leben verschenken aus Angst vor dem Arzt

Wirbt für die Darmkrebsvorsorge: Chefarzt Dr. Michael Scheruhn

Die Ärzte der Krankenhäuser Buchholz und Winsen schlagen Alarm: Bei immer mehr Patienten, die mit unklaren Bauchbeschwerden in die Klinik kommen, stellen sie fortgeschrittene Darmtumoren fest. Krebs, der lange unbemerkt heranwachsen konnte, weil die Betroffenen sich aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona nicht zur Vorsorgeuntersuchung getraut haben.

Darmkrebs ist nach wie vor eines der häufigsten Krebsleiden bei Frauen und Männern. Das Robert Koch-Institut (rki) verzeichnet aktuell 62.960 Neuerkrankungen jährlich und 24.203 Todesfälle durch Darmkrebs.

Das Tückische: Krebs im Verdauungstrakt tut lange nicht weh. Setzen erst Schmerzen ein, ist der Tumor meist schon weit fortgeschritten. Die Krebsvorsorge ist eine wirksame Strategie gegen den Darmkrebs. Bei der Darmspiegelung, einer Vorsorgeuntersuchung, die niedergelassene Fachärzte („Gastroenterologen“) anbieten, können nicht nur kleinste Tumorherde entdeckt, sondern Krebsvorstufen („Polypen“) gleich entfernt werden. Ohne weiteren Termin. Ohne Schmerzen. Ohne Risiko. Das alles, während der Patient die Untersuchung in einer sanften Narkose verschläft.

Dieses Darmkrebsscreening wird seit 2002 angeboten. Frauen ab dem 55. und Männer ab dem 50. Lebensjahr haben Anspruch auf die kostenfreie Untersuchung. Wird dabei keine bösartige Zellveränderung gefunden, braucht die Untersuchung erst nach zehn Jahren wiederholt zu werden. Für diejenigen, in deren Familie eine Darmkrebserkrankung schon in jungen Lebensjahren aufgetreten ist und bei denen das Risiko einer erblichen Belastung bestehen könnte, gibt es besondere Vorsorgeprogramme.

Wie gut die Darmspiegelung wirkt, machen Zahlen des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) deutlich: Danach ging die Erkrankungsrate an Darmkrebs bei Menschen über 55 Jahren zwischen 2000 und 2018 um knapp ein Viertel zurück, die Sterblichkeit sank bei Männern um 35,8, bei Frauen um 40,5 Prozent.

Denn je früher der Krebs entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Dort, wo der Tumor noch auf die Schleimhaut des Darms begrenzt ist, sind nach der endoskopischen Entfernung in manchen Fällen sogar keine weiteren Maßnahmen mehr notwendig, erklärt Stefanie Rähder-Johnson, Koordinatorin des Viszeralonkologischen Zentrums im Krankenhaus Winsen. Eine Chemotherapie bleibt diesen Patienten erspart, nach fünf Jahren ohne Rückfall gelten sie als vollkommen genesen.

Anders sieht es aus, wenn die Patienten zu lange gewartet haben und dann mit akuten Beschwerden ins Krankenhaus kommen, die auf einen fortgeschrittenen Darmtumor zurückzuführen sind. Der Anteil derer, bei denen ein Tumor im Stadium 3 (mit Lymphknotenbefall) diagnostiziert wurde, hat sich im Krankenhaus Winsen nach Angaben von Rähder-Johnson seit 2020 von 40 Prozent der Darmkrebspatienten auf 60 Prozent gesteigert. Dieselbe Beobachtung macht Chefarzt Dr. Michael Scheruhn, Leiter des Darmkrebszentrums im Krankenhaus Buchholz. Wie er sagt, hat auch die Zahl der Notoperationen wegen akuter Schmerzen, z.B. wegen eines Darmverschlusses, deutlich  zugenommen. Die häufiger notwendige Chemotherapie und die Angst vor einem Rückfall können die Patienten körperlich und psychisch stark belasten, so die beiden Ärzte.

Die Furcht, sich beim niedergelassenen Arzt oder gar im Krankenhaus mit dem Coronavirus  anzustecken, sei dagegen völlig unbegründet. „Jeder Einkauf im Supermarkt ist vermutlich riskanter als eine Darmspiegelung. Wer nicht zur Vorsorge geht, verschenkt unter Umständen sein Leben“, mahnt Rähder-Johnson.

Auch diejenigen, die sich nicht zu einer Corona-Impfung entschließen konnten, werden im zertifizierten Darmzentrum Buchholz und dem zertifizierten Viszeralonkologischen Zentrum Winsen behandelt. Dr. Scheruhn sagt: „Es gibt wirklich keinen Grund, nicht in die Sprechstunde zu kommen.“

 

 

 

 

 

Zurück
Zertifikat 1
Zertifikat 2
Zertifikat 12
Zertifikat 6
Zertifikat 7
Zertifikat 8
Zertifikat 9
Zertifikat 11
Zertifikat 13
Zertifikat 15
Zertifikat 16
Zertifikat 17
Zertifikat 18