Krankenhaus Buchholz

25.07.2019 - Mit Erasmus+ ins Ausland

Die Erasmus+-Stipendiatinnen mit Schulleitung Eva Husung (v.li.): Katharina Hillermann, Chantal Cohrs, Sarah-Lena Levy und Sofia Jurgeleit

 

Auslandsaufenthalte sind für die meisten Deutschen selbstverständlich. Im Urlaub. Aber im Ausland arbeiten? Vier Auszubildende der Gesundheitsfachschule Buchholz haben es gewagt. Dabei haben sie sich selbst besser kennengelernt, sind unabhängiger geworden und haben zugleich internationale Erfahrung gewonnen, die immer häufiger zum beruflichen Anforderungsprofil gehört. Alle vier haben am EU-Förderprogramm Erasmus+ teilgenommen und ein vierwöchiges Stipendium erhalten, das die Kosten für die Reise, für Unterkunft und Lebenshaltung abdeckt.

Im spanischen Ronda, einer mittelalterlichen Stadt in der Nähe von Marbella, arbeiteten Sofia Jurgeleit (21) und Sarah-Lena Levy (23) aus Buchholz in einer neugebauten Klinik, deren gute Ausstattung sie überraschte: Es gab Einzelzimmer für jeden Patienten und Rolltreppen „wie im Flughafen“, so die jungen Frauen. Ihr Aufgabenbereich unterschied sich wesentlich von dem in Deutschland. In Spanien absolvieren Pflegekräfte ein vierjähriges Studium und sind anschließend für medizinische Überwachungsaufgaben wie die Kontrolle der Atmung und der Blutwerte zuständig. Das Waschen der Patienten und die Versorgung mit Mahlzeiten übernehmen Pflegehelfer.

Die jungen Frauen fühlten sich herzlich willkommen. Ärzte und Patienten kramten ihre Deutschkenntnisse hervor, wofür besonders Sarah-Lena, die Spanisch erst kurz vor Reisebeginn in einem Internet-Crashkurs gelernt hatte, dankbar war. Jeder bemühte sich, den Deutschen zu helfen.

Was die jungen Frauen besonders positiv beeindruckte, war der hohe Stellenwert der Familie in der andalusischen Klinik. Dass Angehörige mit im Zimmer der Patienten übernachteten, um ihnen beizustehen und sie zu umsorgen, ist nach der Erfahrung der Gäste aus der Nordheide ganz normal. „Als ungewöhnlich wird eher empfunden, wenn jemand keine Familie hat“, berichten Sofia und Sarah-Lena.

Auch die gelassene Atmosphäre fiel den jungen Frauen positiv auf. Ihr Eindruck: “Das Pflegepersonal hat mehr Zeit als in Deutschland, bei uns ist es stressiger“. Doch die beiden würden nicht tauschen: „Unsere Arbeit ist vielseitiger und näher am Patienten“, sagen sie.  

Im Krankenhaus der barmherzigen Brüder in Wien waren Chantal Cohrs und Katharina Hillermann, beide 19 und aus Schneverdingen, vier Wochen im Einsatz. In dem katholischen Ordensspital aus dem Jahr 1614, der ältesten Klinik der österreichischen Hauptstadt, erlebten sie das Nebeneinander von zwei Welten: Patienten werden nach wie vor in Vierbettzimmern untergebracht. Doch sämtliche Daten werden elektronisch verwaltet und jede Pflegekraft hat Zugang zu Computern.

Während sie sich in ihrer Ausbildung in der Buchholzer Gesundheitsfachschule „an die Hand genommen und in jeder Hinsicht unterstützt“ fühlen, waren die jungen Frauen in Wien oft auf sich allein gestellt und fachlich stark gefordert. Auch in Österreich ist Pflege ein Studienfach. Den Umgangston empfanden sie als rau, die Strukturen als streng hierarchisch: „Was die Stationsleitung sagt, ist in Stein gemeißelt“. Auch mussten sie eine neue Sprache verstehen lernen: Der „Bopsch“ ist der Po, „faschierte Leibchen“ sind Hackfleischknödel und auch das Labor mit langem a und Betonung auf der ersten Silbe erkannten die beiden nicht gleich beim ersten Hören wieder.

Pflegeschichten in Österreich dauern zwölf Stunden. Den beiden Newcomern wurde ein Stundennachlass gewährt, den sie nutzten, um die Stadt zu erkunden. Ihr Urteil: „wuuunderschön“.

Alle vier Auszubildenden bewerten ihren Auslandsaufenthalt als Gewinn. Das lange Auswahlverfahren durchzustehen, zu dem schriftliche Bewerbung, Zwischen- und Abschlussberichte gehören, habe sich auf jedem Fall gelohnt. „Wir können jetzt besser bewerten und schätzen, welche Möglichkeiten wir hier zu Hause haben“, so die vier Frauen. Sofia Jurgeleit und Sarah-Lena Levy haben darüber hinaus neue Freunde gewonnen: In den Ferien wollen sie erneut nach Ronda reisen.

 


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