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Auf dem Weg zu sich selbst

Eine aparte junge Frau sitzt in einem Winsener Café.  Über den schlanken Armen ein helles Top, im Dekolleté ein zartes Silberkettchen. Kaum zu glauben, was die 23-jährige Winsenerin Jana Heuer erzählt: Bis vor einem Jahr wog sie noch 160 Kilogramm. Inzwischen hat sie ihr Gewicht mit 81 Kilo bei 1,74 Metern Größe fast halbiert. Und ihr Selbstbewusstsein mindestens verdoppelt. Eine Adipositasoperation im Krankenhaus Winsen war für die junge Frau der Beginn einer wunderbaren Wandlung, bei der sie zu sich selbst gefunden hat.

Immer dieser Durst, dieser schreckliche Durst, der sie über sechs Liter am Tag trinken ließ, dazu Schmerzen im Oberbauch trieben Jana Heuer zum Arzt. Der vermutete einen beginnenden Diabetes, stellte starkes Übergewicht fest und schrieb eine Überweisung für das Adipositas-Zentrum. Doch Jana Heuer zögerte. Zumal der Bluttest ergab, dass sie (noch) keinen Diabetes hatte. „Das Abnehmen schaffe ich allein“, hoffte sie. Trotz ihres Übergewichts machte Jana Heuer viel Sport. Ging weiterhin jeden Tag zur Arbeit als Malerin und Lackiererin, wo sie durch ihre Leistung überzeugte. Doch ihre Diätversuche scheiterten. Wieder einmal. Sie nahm 19 Kilo ab. Aber die kamen ganz schnell wieder.

Über ein Jahr brauchte Jana Heuer, um sich zu einer Behandlung durchzuringen. Dann ließ sie sich im Adipositaszentrum beraten. Beraterin Petra Matthäi, die selbst einst adipös war, fand die richtigen Worte. „Sie hat mich mit ihrer eigenen Geschichte überzeugt“, sagt Jana Heuer. Ihr war von Anfang an klar: Eine Adipositas-Operation, bei der der größte Teil des Magens entfernt wird, ist eine Entscheidung fürs Leben. Jana Heuer traf diese Entscheidung. Füllte die erforderlichen Unterlagen für die Krankenkasse aus. Ging zur Ernährungsberatung. Und holte verschiedene Gutachten ein, die für die Kostenübernahme eingefordert werden. Inzwischen kletterte ihr BMI auf 53. Ihre Gesundheit war akut in Gefahr. Nun ging alles ganz schnell.

Die Operation, bei der auch die mit Gallensteinen gefüllte Gallenblase entfernt wurde, überstand Jana Heuer gut. Der Bauch tat anfangs weh, „wie bei einem starken Muskelkater“. Doch Schritt für Schritt eroberte sie sich ihre Beweglichkeit zurück. Und begann ihre Reise zu sich selbst. Inzwischen hat sie viel nachgedacht und herausgefunden, „was ich bin und was mich ausmacht“. Und dabei klar erkannt, was der Grund dafür war, dass sie früher so viel gegessen hat: Ihre jüngere Schwester war an Krebs erkrankt. Jana nahm großen Anteil, pflegte ihre Schwester. Und wurde dabei zunehmend depressiv. Aus Frust und Trauer stopfte sie sich voll.

Zwei Monate nachdem Jana Heuer operiert worden war, starb ihre Schwester.

Jana Heuer nahm eine Auszeit. Kündigte ihren Malerjob, in dem sie eine Allergie gegen Lacke entwickelt hatte. Und auch ihre Beziehung ging in die Brüche. Doch sie sagt: „Ich fühle mich gelöst und frei.“

Das Geld, das sie zum Leben braucht, verdient sie als Aushilfe in einem Croque-Laden. Die Leckerbissen dort sind für sie keine Versuchung mehr, sondern „nur noch Sachen, mit denen ich arbeite.“ Statt Lebensmittel im Großeinkauf zu horten, geht sie lieber Mode shoppen. Und genießt es, Rad zu fahren, in der Elbe zu schwimmen, zu wandern und zu campen. Auch beruflich will sie einen neuen Weg einschlagen: Sie hat sich für eine Ausbildung zur Fitness-Kauffrau beworben. Und will so anderen helfen, im Stress des Alltags die eigene Gesundheit nicht aus dem Blick zu verlieren.

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